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18.07.2006
Frei laufende Hunde ängstigen Spaziergänger
Ein einsamer Weg in Sichtweite der Weser, es ist Freitagabend kurz nach acht, ein beschaulicher Sommertag geht allmählich zu Ende. Ilse Garbers und ihre Freundin Brigitta Töpfer spazieren am Vogelparadies entlang, als ihnen plötzlich der Schreck in die Glieder fährt. Ein großer Hund läuft auf sie zu.

"Das muss ein Riesenschnauzer gewesen sein", berichtete Ilse Garbers gestern unserer Zeitung. "Der wirkte richtig aggressiv." Der Schnauzer versucht die Frauen anzuspringen, Brigitta Töpfer macht abwehrende Bewegungen mit der Handtasche. Der Hund bleibt stehen. Als die Frauen weitergehen, läuft er hinter ihnen her. So geht das eine Weile, bis das Tier verschwindet. Sein Besitzer ist nicht zu sehen.

"Uns schlotterten die Knie. Wir haben uns erst einmal auf die Bank gesetzt", sagt Ilse Garbers. Auch Brigitta Töpfer wird diesen Abend nicht so schnell vergessen. "Ich nehme ein Blutverdünnungsmittel ein. Nicht auszudenken, der Hund hätte mich angefallen."

Etwas später an jenem Freitag erreichen die Frauen den Parkplatz am Tenniscenter und glauben dort, den Hund wiederzuerkennen. Diesmal ist er in Begleitung eines Paares. Die beiden Frauen sprechen die Besitzer an, werden jedoch beschimpft. "Die haben den Spieß umgedreht und gemeint, wir hätten den Hund geschlagen." Ilse Garbers wird es zu bunt. Sie notiert das Kennzeichen und meldet den Vorgang der Polizei, die sie an das Portaner Ordnungsamt verweist.

Sachgebietsleiter Reinhard Busch ist der Sache von Amts wegen nachgegangen. Das Ergebnis dürfte die beiden Frauen kaum zufrieden stellen. "Die Hundebesitzer behaupten, ihr Schnauzer sei an jenem Abend die ganze Zeit über angeleint gewesen. Es müsse sich um eine Verwechslung handeln."

Bedrohliche Situationen wie jene am Freitagabend hat Ilse Garbers immer wieder erlebt. Seit 30 Jahren wohnt sie in der Nähe des Vogelparadieses und nutzt die Spazierwege regelmäßig. "Allein kann man hier inzwischen gar nicht mehr entlanggehen. Das Hundeproblem wird immer schlimmer", findet sie.

Erst neulich sei eine Freundin von einem Mischlingshund attackiert worden. Die Besitzer hätten dann von weitem gerufen, sie solle einfach ihre Jacke wegwerfen, der Hund wolle nur spielen. "Die Jacke wegwerfen, das muss man sich mal vorstellen", entrüstet sich Ilse Garbers. Sie meint, dass im Vogelparadies Hunde generell an die Leine gehören. "Da ist doch ein Naturschutzgebiet."

Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht, wie Reinhard Busch mitteilt. Generell gilt, dass große Hunde (sie wiegen mindestens 20 Kilogramm oder haben eine Schulterhöhe von 40 Zentimetern) innerhalb bebauter Ortsteile angeleint werden müssen, außerhalb jedoch nicht. Allerdings gibt es Ausnahmen. Eine davon gilt für das Vogelparadies. Obwohl es außerhalb bebauter Ortsteile liegt, müssen große und kleine Hunde auf den Wegen angeleint werden. Und das eigentliche Naturschutzgebiet, das mit Schildern gekennzeichnet ist, darf überhaupt nicht betreten werden, weder von Zwei- noch von Vierbeinern.

Bewaffnet mit Spray und Trillerpfeife

Jener Weg, den die beiden Frauen an besagtem Freitag nutzten, gehört jedoch nach Auskunft von Busch nicht mehr zum Vogelparadies, sondern führt lediglich daran entlang. Demnach habe auch ein großer Hund dort unangeleint laufen dürfen. "Jeder Hundebesitzer muss aber dafür Sorge tragen, dass von seinem Hund keine Gefahr ausgeht", sagt Reinhard Busch. Deshalb sollten frei laufende Hunde nicht aus dem Blickfeld von Frauchen und Herrchen verschwinden und zudem auf Zuruf reagieren.

Reinhard Busch empfiehlt, Hunde auch außerhalb des Vogelparadieses grundsätzlich anzuleinen. Schließlich könnten Tiere keine Schilder lesen und daher beim Stöbern die Grenzen zum eigentlichen Naturschutzgebiet immer mal wieder überschreiten.

An die Wirksamkeit solcher Appelle glaubt Ilse Garbers eher nicht. Sie hat ihre Erfahrungen mit Hundebesitzern gemacht. "Sicher, viele verhalten sich korrekt, aber einigen ist es offenbar egal, dass ihre Hunde Spaziergänger erschrecken."

Ilse Garbers hat sich inzwischen Pfefferspray besorgt, um im Fall einer Attacke gewappnet zu sein. Und außerdem soll eine Trillerpfeife die Hunde auf Distanz halten - auch wenn diese den Beteuerungen ihrer Besitzer zufolge nur spielen wollen.


Weitere Infos finden Sie hier: http://www.vlothoer-anzeiger.de/va/lokales/porta_w
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