
Mechernich-Schaven - Gabriele Beck war die Enttäuschung anzumerken. Zwei „Opfer“ sollte ihr Border-Collie Jessy auf einer riesigen Fläche auf dem Standortübungsplatz Schavener Heide finden. Doch der noch unerfahrene Hund der Erfurterin lief nur wenige Meter an einem Versteck vorbei. In die Nähe der zweiten Person kam Jessy noch nicht mal.
Einsatzleiterin Franziska Röhle hatte es Hund und Hundeführerin aber auch nicht einfach gemacht. Sie schickte die beiden in Windrichtung auf den Übungsplatz. Für Hund Jessy war es also doppelt schwer: Der Collie musste sich nicht nur mit unbekannten Gerüchen wie dem vom Heidekraut herumschlagen. Er konnte die Opfer wegen des ungünstigen Windstands auch nur ganz schlecht riechen. „Normalerweise lässt man die Hundeführerin entscheiden, wo sie anfängt, und das ist in der Regel gegen den Wind“, erklärte der Euskirchener Tierarzt Dr. Klaus Meyer.
Vier Gruppen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) aus Euskirchen, Erfurt, Darmstadt und Wuppertal sowie eine Gruppe der Johanniter aus Wiehl nahmen an einer Pfingstübung für Suchhunde auf dem Truppenübungsplatz zwischen Satzvey und Kommern teil. Auf drei Plätzen wurden Flächensuchhunde trainiert. Ein weiteres Training fand für so genannte Mantrailer statt, die Personen auf direktem Wege finden können.
Doch zurück zu den Erfurtern. Franziska Röhle demonstrierte mit ihrem elf Jahre alten Malchower Artus, einem sehr erfahrenen Flächensuchhund, wie das fast 15 000 Quadratmeter große Areal abgesucht werden muss. Röhle ging in der Mitte der Fläche und dirigiert den Hund abwechselnd nach rechts und links. In nur 20 Minuten musste er das komplette Gebiet durchkämmt haben.
Opfer im Heidekraut
Doch so lange brauchte Artus nicht. Nach nur wenigen Minuten hatte er das erste Opfer aufgespürt und setzt sich laut bellend daneben. Berühren durfte er die gefundene Person nicht - das wurde den Hunden antrainiert. Selbst das zweite Opfer, das im Heidekraut liegt, entdeckte Artus relativ schnell.
Eine ganz andere Situation herrschte mitten im Wald. Dort trainierten die Gruppen aus Wuppertal und Wiehl zusammen. Ihre Hunde mussten Menschen finden, die sich in einem Tunnelsystem unter der Erde befanden. Doch selbst das war für die Vierbeiner kein großes Problem - auch wenn es erkennbar schwerer war. Hund Dundee, geführt von Annika Schneider, stürzte sich, nachdem sie ein Opfer in einem Erdloch aufgespürt hatte, mutig in die Finsternis des Tunnelsystems - ein fast schon untypisches Verhalten, da die Hunde mit der Dunkelheit so ihre Probleme haben.
Ganz anders arbeiten die Mantrailer. Sie bekommen eine Riechprobe vor die Nase gehalten, etwa ein Kleidungsstück, und folgen nur dieser Spur. Leila, ein Weimaraner des Euskircheners Carsten Widdau, demonstrierte eindrucksvoll, dass sich die Hunde noch nicht mal von Menschenmassen ablenken lassen.
Das Opfer hatte sich an der Schule in Satzvey versteckt. Leila musste also zunächst durch den Wald und später am Sportplatz vorbeilaufen. Dort fand ein Fußball-Turnier statt. Doch Leila kümmerte der Trubel gar nicht, und sie folgte schnurstracks der Spur, bis sie die gesuchte Person zielsicher fand.
Die Euskirchener Hunde des Arbeiter-Samariter-Bundes sind hauptsächlich außerhalb des Kreises im Einsatz, was Stefan Friedriszik vom ASB bedauert und ärgert. Außerdem bemängelt er, dass die Polizei die Hundestaffeln oft viel zu spät einsetze. Einige Vermisste - dazu zählen größtenteils Demenzkranke, aber auch Kinder und Suizidkandidaten - könnten seiner Meinung nach viel früher aufgespürt werden.
VON THOMAS SCHMITZ