
Der Canis lupus familiaris, vulgo: der Haushund, ist eine erstaunliche Spezies. Über die Jahrtausende hinweg hat der Mensch ihm die unterschiedlichsten Eigenschaften angezüchtet, was unter anderem dazu führte, dass er zum Landwirbeltier mit der größten Bandbreite an Körpergrößen wurde (man stelle nur beispielsweise einen Kaninchenteckel einem Weimaraner gegenüber). Die Rassen sind nicht nur größenmäßig äußerst unterschiedlich, sondern auch bei Fell, Knochenbau und mentalen Eigenschaften. Dennoch lassen sie sich weiterhin verpaaren. Im Alltag heißt das: Reinrassige Tiere, deren Stammbäume von Zuchtvereinen streng überwacht werden, treffen auf ebenso beliebte Mischlingshunde mit teils abenteuerlicher genetischer Geschichte.
Als Hundebesitzer sollte man aber möglichst genau wissen, mit was für einem Tier man es zu tun hat: Je nach Rasse ergeben sich auch unterschiedliche Grundverhaltensmuster, Gefahren für Erkrankungen und andere "angewölfte" Eigenschaften, die nicht unentdeckt bleiben sollten, will man mit dem Hund lange seine Freude haben. Außerdem ist es ja auch ein schönes Gefühl, den "Stammbaum" seines Hundes zu kennen, selbst wenn dieser "nur" ein Mischling ist.
Das US-Unternehmen MMI Genomics sieht die Sachlage offensichtlich ähnlich – und eine Marktlücke obendrein. Mit dem "Canine Heritage Breed Test" können sich dort Kunden seit Ende Januar ein Testkit bestellen, mit dem man der genetischen Ausstattung Bellos auf den Grund gehen kann. Für seine knapp 72 Dollar erhält der Kunde einen Teststreifen, den man seinem Hund ins Maul einführt, um Zellproben zu entnehmen. ("Denken Sie an Zähneputzen", schreibt das Unternehmen in der Anleitung.) Die Probe wird dann speziell verpackt an das Labor geschickt. Nach vier bis sechs Wochen soll dann das Ergebnis vorliegen.
Aktuell kann MMI Genomics insgesamt 38 in den USA anerkannte Hunderassen unterscheiden. Untersucht wird nach einem SNP-basierten DNA-Analyseverfahren, das laut MMI "state of the art" ist und dem neuesten Stand der Technik entspricht. Die Firma, die ansonsten für Landwirte Gentests an Kühen durchführt, präsentiert dem Kunden nach Abschluss der Untersuchung dann ein hübsches Zertifikat: "Da steht dann beispielsweise drin, dass mein Hund eine Mischung aus Labrador Retriever, English Setter und Border Collie ist", erläutert Firmenchef Ed Quattlebaum.
MMI Genomics verspricht sich mit dem Testkit ein großes Geschäft. Nur 25 Prozent der drei Millionen Hunde, die sich US-Bürger jedes Jahr aus Tierheimen nach Hause holten, seien reinrassig. "Nur wenn man weiß, wie sich die Herkunft des Hundes zusammensetzt, kann man ein frohes und gesundes Tierleben sicherstellen", meint die Firma – und garantiert eine Genauigkeit von 90 Prozent. Mehrere Tausend Kunden hat MMI Genomics mit dem Hunde-Gentest inzwischen laut eigenen Angaben erfolgreich bedient.
Erfahrungen im Umgang mit Hunden hat die Firma schon seit längerem. So führt sie laut eigenen Angaben seit zehn Jahren DNA-basierte Untersuchungen für große Zuchtvereine durch, um die Herkunft reinrassiger Tiere sicherzustellen. Hier wird allerdings nur geprüft, ob ein Hund tatsächlich die Elterntiere hat, die in seinen Zuchtpapieren stehen – nicht jedoch die "Mischung".
Nach dem Herkunfts-Gentest will MMI Genomics künftig auch Untersuchungen anbieten, mit der sich Krankheitsneigungen bei Hunden erkennen lassen. Dazu gehört die vielfach bei großen Rassen vorkommende Hüftgelenksdysplasie, die eine starke genetische Komponente hat. "Hundekäufer könnten dann unseren Test benutzen, um vor einem Kauf sicherzustellen, dass ihr Tier nicht betroffen ist", meint Quattlebaum. Auch Züchter könnten so auf Dauer ihre Zucht verbessern.
Von Ben Schwan