
Seit 2006 die obligatorische Mikrochip-Kennzeichnung für Hunde eingeführt wurde, werden weniger Tiere ausgesetzt. Das Tierheim des Zürcher Tierschutzes zieht für die Sommerferien 2007 eine positive Bilanz. Gegenwärtig beherbergt es rund 50 herrenlose Hunde und Katzen.
vn. Die Büros sind unterbesetzt, die Telefone klingeln kaum; die Sommermonate sind gemeinhin für ein etwas gemächlicheres Tempo im Arbeitsalltag bekannt. Während sich Vielbeschäftigte zurücklehnen, herrscht im Tierheim des Zürcher Tierschutzes reger Betrieb. In den Monaten Juli und August ist Hochsaison für vierbeinige Gäste: Rund 40 Hunde und Katzen verbringen ihre «Ferien» am Zürichberg, sieben Pflegerinnen und mehrere Freiwillige sorgen für ihr Wohl. Während diese Vierbeiner bloss temporäre Gäste sind, zählt das Heim derzeit auch gut 50 Dauerbewohner – Hunde und Katzen, die auf ein neues Zuhause warten. Erfreulich ist jedoch, dass sich darunter immer weniger ausgesetzte Tiere befinden. Ihre Anzahl ist rückläufig, seit im Januar 2006 für Hunde die obligatorische Kennzeichnung durch Mikrochip und die damit einhergehende Registrierung in der nationalen Heimtierdatenbank ANIS eingeführt wurde. Der Mikrochip, eine Glaskapsel in der Grösse eines Reiskorns, wird dem Tier unter die Haut implantiert und ist mit einem Zahlencode versehen, durch den der Halter ermittelt werden kann.
Positive Bilanz für diese Sommerferien
Ausgesetzt werden fast ausschliesslich Hunde. Bei streunenden Katzen, die sich in freier Wildbahn gut zurechtfinden, liegt meist ein anderer Grund vor: Sie entwischen in der Paarungszeit, gewöhnen sich an Fütterung durch Fremde oder suchen im Falle eines Umzugs der Besitzer wieder ihr herkömmliches Revier auf. Gerhard Möstl, Leiter des Tierheims am Zürichberg, ist mit der diesjährigen Sommerferien-Bilanz zufrieden. Von Juni bis August verzeichnete er vier Findelhunde. Drei der Tiere waren entlaufen und konnten anhand der Angaben auf dem Chip an ihre Besitzer zurückgegeben werden. Nur bei einem Hund, der im Juli gefunden wurde, wird vermutet, dass er ausgesetzt worden war.
Eine eher enttäuschende Statistik schreibt derweil die Kategorie der sogenannten «Verzichttiere» – solche, die von ihren Haltern im Heim abgegeben werden. 85 Katzen und 60 Hunde zählte der Tierschutz 2006 im Kanton Zürich. Anders als bei den ausgesetzten Tieren lässt sich diese Quote nicht durch gesetzliche Vorschriften minimieren. Gelegentlich erhöht sich die Anzahl jener Tiere um die Weihnachtszeit – sie sind meist retournierte Geschenke. Sein Heim, sagt Gerhard Möstl, werde vor allem von Tieren bevölkert, die aus einer Laune heraus angeschafft und schliesslich wieder abgeschoben wurden.
Risiko durch aufgebrachte Besitzer
Im Tierheim freut man sich nicht über jeden Besucher. Was man im regen, fröhlichen Betrieb nicht vermuten würde: Türe und Réception der Institution sind durch kugelsicheres Glas geschützt. Aufgebrachte Besitzer, deren Tier wegen Verwahrlosung vom Veterinäramt beschlagnahmt und ins Heim gebracht wurde, stellen nicht selten ein Risiko für die Tierpfleger dar. Die betroffenen Personen wissen nicht, wo ihr Tier placiert wurde – und treten zum Teil mit Rachegelüsten die Suche danach an. Gelangen sie an ein Tierheim, sind Drohungen an das Personal keine Seltenheit. Möstl spricht von äusserst unangenehmen Erfahrungen mit gewaltbereiten Menschen, die zum Glück aber selten seien. Im Alltag, sagt er, überwögen die schönen Momente – vor allem, wenn Tiere mit neuen Besitzern das Heim verliessen.