Umstritten und vermeidbar: Krebsversuche an Tieren

   Umstritten und vermeidbar: Krebsversuche an Tieren

Bild von Suhail Suri auf Pixabay

  Bei nachstehendem Text handelt es sich um eine Pressemeldung des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte. Weitere Informationen findet Ihr am Ende des Artikels.

19. November 2020 – In seiner Serie „Ersatzverfahren des Jahres“ beschäftigt sich der Bundesverband Menschen für Tierrechte in diesem Jahr mit Tierversuchen zur Testung des Krebsrisikos (Karzinogenitätstests). Die Recherche zeigt, dass diese besonders belastenden Tests nicht nur überflüssig, sondern auch wissenschaftlich fragwürdig sind. Fazit: Um sichere Vorhersagen treffen zu können, braucht die Krebsforschung zuverlässige Testsysteme auf Basis humanspezifischer Verfahren.

Um Mensch und Tier zu schützen, wird überprüft, ob bestimmte Stoffe Krebs auslösen können. Diese sogenannten Karzinogenitätstests werden hauptsächlich zur Sicherheitsbewertung von Pflanzenschutzmitteln und Arzneimitteln durchgeführt. In den teilweise hochbelastenden Tests werden vornehmlich Ratten und Mäuse eingesetzt. Im Jahr 2017 waren es EU-weit 12.493 Tiere. Pro Prüfung wird mindestens 480 Tieren über zwei Jahre tagtäglich die Testsubstanz verabreicht. Dabei kann es zur Entwicklung von Tumoren kommen, was mit starken und lang andauernden Schmerzen verbunden ist. In Europa führen neben Deutschland auch Frankreich, die Niederlande und Großbritannien diese Versuche durch. Dabei sind sich Regulationsbehörden, Industrie und Wissenschaft mittlerweile weitgehend einig, dass derartige Tests mit lebenden Tieren nicht mehr zwingend notwendig sind.

Wissenschaftlich fragwürdig
„Gegen Karzinogenitätstests sprechen neben dem immensen Leid der Tiere vor allem die Überflüssigkeit der Versuche: Die notwendigen Informationen liegen durch die zuvor schon durchgeführten Versuche bereits vor“, sagt Dr. Christiane Hohensee, Leiterin der Informationsplattform für tierversuchsfreie Methoden – InVitro+Jobs. „Dies wissen auch die Regulationsbehörden, doch bisher haben leider weder die OECD (1) noch die Europäische Medizinagentur die qualvollen Tests aus ihren Richtlinien gestrichen“, kritisiert die Biologin.

Zelltests liefern zuverlässige Ergebnisse
Die OECD hat angekündigt, dass es in Kürze einen integrierten Ansatz (IATA) auf Basis menschlicher Zellen und Gewebe für die Testung und Bewertung von sogenannten nicht-genotoxischen Karzinogenen geben wird. Wissenschaftler, Industrie und Regulationsbehörden arbeiten zudem an vielversprechenden mechanistischen Ansätzen, um die Tumorbildung vorherzusagen. Da sich die Informationssysteme weiterentwickelt haben, sind diese heute in der Lage, Milliarden von Daten auf einmal zu verarbeiten. Die European Partnerschip for Alternative Approaches to Animal Testung (EPAA) fördert die regulatorische Akzeptanz der tierfreien Methoden unter anderem mit einer Datenbank. In der Medikamentenentwicklung kam außerdem eine Expertengruppe der European Medicines Agency (EMA) zu dem Ergebnis, dass pharmakologische und toxikologische Daten zusammen mit weiteren Informationen ausreichend sein können, um die krebsfördernde Wirkung eines bestimmten Arzneimittels vorherzusagen, ohne die Sicherheit zu gefährden.

Nötig: Wandel hin zu tierfreien Methoden
„Das Beispiel Karzinogenitätstests zeigt die Notwendigkeit eines Wandels hin zu tierfreien Methoden. Um sichere Vorhersagen treffen zu können, braucht die Krebsforschung neue tierfreie Methoden. Es ist ermutigend, dass die Regulationsbehörden sowohl der Chemikalien- als auch der Arzneimitteltestung dies erkannt haben. Doch nun müssen Konsequenzen folgen: Damit die in der Entwicklung befindliche tierfreie Teststrategie angewandt werden kann, müssen die Forschungsgelder, die in diesen Bereich fließen, massiv aufgestockt werden. Und die qualvollen Tests müssen so schnell wie möglich aus den Vorschriften gestrichen werden“, fordert Hohensee.

Damit die leidvollen Tierversuche zur Erforschung des Krebsrisikos beendet werden, setzt sich der Tierrechtsverband für zuverlässige Testsysteme auf Basis humanspezifischer Verfahren ein. Diese sollen zukünftig die Karzinogenitätstests und auch weitere gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche ersetzen.

(1) Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)

Bundesverband Menschen für Tierrechte

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